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In diesem Artikel erfahren Sie die Unterschiede zwischen japanischer Teekanne und Teekessels anhand ihrer Herstellung. Außerdem werden Unterschiede zwischen Handarbeit und automatisierter Fertigung und die sich ergebenden Qualitätsunterschiede erklärt. Natürlich sind die Herstellungsprozesse von Manufaktur zu Manufaktur unterschiedlich. Doch Japan finden sich in der Präfektur Iwate die findigsten Kunsthandwerker für Teekessel aus Gusseisen, die mit ihrer Herstellungsweise Nanbu-Tekki hier beispielhaft für die traditionelle japanische Fertigung stehen sollen. 

1. Traditionelle japanische Teekannen aus Gusseisen

Die Ursprünge des traditionellen japanischen Gusses sollen bis zu 400 Jahre zurückliegen. Um eine respektable Qualität zu bieten, braucht es schon mindestens 15 Jahre Übung. Erst dann meistern die Gesellen den Herstellungsprozess in Gänze. Um sich Meister zu nennen, gehen schon einmal 40 Jahre Arbeitserfahrung ins Land. Die Japaner lehren uns wieder einmal, dass man nur mit Geduld und Hartnäckigkeit die bestmögliche Qualität liefern kann. Teekessel und Teekannen aus Gusseisen entstehen zunächst am Reißbrett. Das Design wird lebensgroß gezeichnet, um eine Vorlage für die Herstellung der Form zu bekommen. Hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt, die Muster bewegen sich aber meist im Rahmen traditioneller Muster und beliebter Darstellungen aus dem asiatischen Raum.

Die Form selbst wird in Handarbeit aus Lehm und Ton gefertigt, der Rohling mit Sorgfalt und Beständigkeit mit Hilfe einer rotierenden Kelle ausgehöhlt bzw. aufgetragen. Daraufhin werden Teekessel oder Teekanne mit traditionellen Mustern in mühevoller Handarbeit versehen. Für das klassische Arare-Muster sind besonders eine ruhige Hand und Geduld gefragt, da hunderte Mulden im gleichen Abstand eingehöhlt werden müssen. Und dennoch: Kleinere Imperfektionen an einer Gusseisen-Teekanne sind ein Zeichen seiner Handfertigung – und damit auch Gütekriterium für das Einzelstück.

Zwei Gussformen charakteristisch für die Gusseisen-Teekanne

Soviel zur ersten, äußeren Gussform namens Kadate. Die Innenform, der Nakago, stellt das eigentlich Teegefäß dar. Beide Formen werden so zusammengesetzt, dass ein kleiner Hohlraum zwischen den beiden Formen entsteht. Dies ist gleichzeitig auch der wichtigste Schritt in der traditionellen japanischen Herstellung von Teekannen aus Gusseisen. Die Gussform wird schließlich wird bei ca. 900°C gebrannt.

Eine Form, die eine besonders dünnwandigen Guss ermöglicht, vereint die besten Eigenschaften, die es für ein hochwertiges Küchenprodukt braucht: Gute Wärmeleitfähigkeit zur schnellen Erhitzung für Teekessel und lange Wärmespeicherung durch die grobe Textur des Gusseisens, v.a. für Teekannen.

 

Japanischer Tetsubin Wasserkessel Gusseisen Iwachu Teekanne

Hier wird das flüssige Gusseisen in die Tonformen gegossen. Traditionell werden in der alten Manufaktur Iwachu die Wasserkessel von Hand gefertigt. Nach über 60 Herstellungsschritten ist der Tetsubin komplett. (Bildquelle: Iwachu via amazon PartnerNet)

 

Für den Guss wird in einem Hochofen das Eisen bis auf 1400°C erhitzt und in die gefertigte Form gegossen. Nach zwei bis drei Minuten kommt dann der Moment der Wahrheit. Die Sand-Ton-Form wird abgeschlagen und das Guss-Objekt kommt zum Vorschein. Die nur einmalige Nutzung der Gussform machen handgefertigte Gusseisen-Teekannen zu echten Unikaten.

Zusätzlicher Arbeitsschritt für Teekessel

Nach der Abkühlung erhalten die meisten Gusseisen-Teekessel für den Innenraum eine Beschickung, bei der das Eisen auf 800°C erhitzt wird und eine oxidierte, rostbeständige Schicht erhält. Nichtsdestoweniger kann zu Beginn der Verwendung eines Gusseisen-Teekessels ein leichter Eisengeschmack zu vernehmen sein. Mehrfaches Kochen mit Grünem Tee stoppt jegliche Oxidation und verleiht der handgefertigtem Tetsubin-Teekessel Geschmacksechtheit.

Zusätzlicher Arbeitsschritt für Teekannen

Für Gusseisen-Teekannen hingegen wird ein anorganisch-oxidischer Überzug aus Email für das Innenleben gefertigt, der die Funktion der Kanne verändert. Da diese Herstellungsweise erst seit den 1960er Jahren bekannt ist und ausschließlich für den Export angewendet wird, entspricht dies nicht unbedingt japanischer Tradition. Die Emaille kann durch verschiedene Verfahren wie flüssiges Eingießen der Stoffverbindung oder Trockenemaillierung in die Teekanne beschichtet werden. Dann jedoch ist das Guss-Objekt nicht zum Erhitzen, sondern nur zum Aufgießen und Warmhalten geeignet. Diese Teekannen werden für westlichen Markt hergestellt, da eine Innenbeschichtung als hygienisch gilt und hier das Behältnis inklusive Tee-Sieb dazu verwendet wird, den fernöstlichen Teekult sichtbar auf dem Tisch – und nicht auf dem Herd – zu zelebrieren.

Den finalen Touch erhalten Gusseisen-Teekannen durch ihre typische Lackierung, traditionellerweise in Schwarz. Mehr und mehr kommen auch andere Farben wie Weinrot oder Dunkelgrün in Mode. Dazu wird die Kanne nochmals auf 250°C erhitzt und der die Lackschicht mit einem überdimensionierten Pinsel (bspw. Kugo) aufgetragen. Anschließend wird eine aufgekochte Lösung aus Essig und Grünem Tee bei ungefähr 100°C bis 150°C verteilt, damit die Kanne lange Zeit farbbeständig und rostfrei bleibt.

2. Handgefertigte Gusseisen-Teekannen im Nassguss-Verfahren

Aufgrund dieses aufwendigen und mühevollen Herstellungsprozesses, ist es geradezu unmöglich eine traditionell handgefertigte Gusseisen-Teekanne im unteren dreistelligen Bereich zu bekommen. Labels wie »handgefertigt« für Teekannen für unter 100€ sind irreführend und womöglich falsch in Bezug auf die traditionellen Herstellung. Dennoch ist auch das Nassguss-Verfahren zur Handwerkskunst zu zählen. Beim Nassguss wird eine feuchte Sandmischung in eine vorgefertigten Abdruck gegeben, um die Gussform herzustellen. Darin wird dann das flüssige Gusseisen gegossen. Auf diese Weise ist eine hohe Produktivität möglich. 

Der Nassguss ist selbstverständlich die weniger aufwendige Variante, ausgelegt für den Massenmarkt. Hier ist jedoch gesichert, dass ausschließlich hochwertige Rohmaterialien verwendet werden, die Lebensmittelechtheit und wichtige Zertifizierungen garantieren. Der preisliche Vorteil, der sich aus dieser Herstellungsweise ergibt, ist doch ganz erheblich, wenn man bedenkt, dass Sie dafür eine in Japan produzierte, hochwertige Gusseisen-Teekanne, wie bspw. die Iwachu KIKKO erhalten.

Ein Vergleich bietet sich an: Wenn die manuelle Herstellungsweise der Formgießung der Franziskanermönch im Mittelalter ist, der die dekorative Handschrift beherrscht, stellt der Nassguss den Buchdruck dar, der eine schnelle Herstellung eines guten Produktes garantiert.

Die Herstellung des Henkelgriffs

Für die Herstellung des Griffes der Gusseisen-Kanne werden in Japan auf Henkel spezialisierte Schmiede zu Rate gezogen. Es sind zwei Henkel-Arten verbreitet: Der Mukuzuru ist ein aus einer Eisenstange hergestellter Griff. Der Rohling dient als Grundlage für besonders kunstvolle und individuelle Handarbeiten. Der Fukurozuru hingegen wurde entwickelt, um die Hitze besser zu regulieren. Dazu wird der Eisengriff so geformt, dass er innen hohl bleibt, um einen Luftaustausch anzuregen, der den Henkel schneller abkühlen lässt. Aus Gründen der Praktikabilität wird bei den meisten handelsüblichen Gusseisen-Teekannen auf diese Technik zurückgegriffen. Bei hochwertigen Kannen wird der Fukurozuru-Griff nicht zu heiß, weil er beste wärmeregulierende Eigenschaften mitbringt. Man kann ihn problemlos bei frisch befüllter Teekanne verwenden. Ein guter Henkel lässt sich auch frei und leicht bewegen, damit er sich leicht verstauen lässt. 

Den Deckel nicht vergessen!

Bei der Herstellung sollte man natürlich den Deckel nicht vernachlässigen. Für ihn wird selbstverständlich auch eine Gussform angefertigt und wird im Stile des Kannenkörpers gehalten. Besonders hochwertige und handgemachte Teekannen aus Gusseisen verfügen über einen fein ausgearbeiteten, verzierten Griff. Hier sollte jedoch Vorsicht bei der Verwendung geboten sein, weil der Deckelgriff doch recht heiß werden kann. Am besten nehmen Sie ihn mit einem kleinen Handtuch ab, um das Teesieb nach der Ziehzeit zu entfernen.

Wer gleich auf Nummer sicher gehen möchte, kann auf die sehr schönen Gusseisen-Teekannen mit Porzellan-Deckel zurückgreifen. Die haben neben ihrem optischen Reiz zwei Vorteile. Einerseits leitet Porzellan Wärme weniger stark, als ein Gusseisen-Deckel und kann einfacher berührt werden. Andererseits vermeidet das Material die fast schon obligatorischen Roststellen bei Auflegen vom Deckel auf der Kanne (Feuchtigkeit hier am höchsten). Reich verziert und handbemalt demonstriert der Porzellan-Deckel eine weiteres Spektrum japanischer Handwerkskunst und setzt einen guten Kontrast zum gusseisernen Körper der Teekanne.

Kombimodelle aus Gusseisen

Es gibt einige wenige Kombi-Modelle, die ein Erhitzen des Gusskörpers als auch das Aufgießen von losen Tee ermöglichen. Diese Tetsubin-Teekannen sind ebenfalls mit einer Innenbeschichtung aus Emaille versehen, sorgen aber aufgrund ihres speziellen Gusses dafür, dass die Ausdehnung des Eisens bei Hitze die Beschichtung nicht zerstört. Kombimodelle wie der KIKKO von Iwachu sind überaus praktisch, wenn man die Teebereitung variieren und auch nicht so zimperlich mit seiner Gusseisen-Teekanne umgehen möchte.

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3. Maschinelles Verfahren für günstige Gusseisen-Teekannen

Gusseisen-Teekannen werden für den Massenmarkt noch günstiger benötigt, um möglichst vielen Teetrinkern den Kauf eines schönen Küchen- und Dekorationsobjekts zu ermöglichen. Die Herstellung findet im industriellen Format statt, d.h. dass eine Produktivität von mehreren Tausend Gusseisen-Kannen pro Monat und Werk erreicht werden kann. Dazu werden große Schleudergussmaschinen verwendet, die eine mehrfach nutzbare Gussform befüllt. Natürlich geht dies zu Lasten der Qualität. Im Vergleich der Muster wird erkennbar, dass automatisiert hergestellte Teekannen aus Gusseisen weniger fein ausgearbeitet sind als ihre Kollegen aus dem Nassguss-Verfahren.

 

Eine günstige, aber solide Teekanne wie diese hält kein ganzes Leben, aber bei richtiger Pflege eine Weile. Diese Gusseisenkanne ist seit mehreren Monaten in Benutzung. Erkennbar ist der nicht makellose Guss.

 

Bei diesen häufig aus China stammenden Modellen ist nicht immer gesichert, welche weiteren Bearbeitungsschritte, Verfahrenstechniken und Materialien zur Lackierung oder Emaillierung getroffen wurden und ob sie den gängigen Bestimmungen entsprechen. Günstigen Modellen, die schon um die 20€ angeboten werden, sollte man einer genauen Prüfung unterziehen, ob diese möglicherweise nicht lebensmittelecht sind. Auch können unter Umständen Einsparungen bei der Herstellung des Griffs getroffen worden sein, sodass er nicht unbedingt über gute hitzeregulierende Eigenschaften verfügen muss.